Ein Silicon Valley im Rheinland? NRW hat ambitionierte Pläne

Ein Silicon Valley im Rheinland? NRW hat ambitionierte Pläne

Berlin wird nach wie vor als die Vorzeigeregion in Sachen Startups und Gründerszene gesehen. Im Rheinland kochen Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen bislang ihr eigenes Süppchen – das möchte Andreas Pinkwart ändern.

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Startupszene NRW

Für jeden, der in der Gründer- und Startupszene von NRWs Hotspots unterwegs ist, ist es nichts neues, dass es dort durchaus eine lebendige Gründerkultur anzutreffen gibt. In Köln. In Düsseldorf. In Aachen. In Bonn. In NRW?

Man kennt sich und wer sich interessiert, bekommt auch über den eigenen städtischen Tellerrand hinaus mit, was in anderes Teilen des Landes passiert – von außen betrachtet bringt das Nordrhein Westfalen allerdings wenig, wenn es darum geht, Beachtung als eine Region zu finden, die für GründerInnen und Startups ebenso attraktiv sein könnte, wie Berlin oder München.

„Wenn die Gründerszene in Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf als eine Region bei Investoren und Kunden wahrgenommen wird, dann können sich Berlin und München warm anziehen“ zitiert die RP Online den neuen NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart

Auch der Pott kocht

Auch im Ruhrgebiet – in der Außenwahrnehmung oft nur als Problemregion mit Strukturschwäche und hoher Arbeitslosigkeit gesehen – passiert mittlerweile einiges. Erst kürzlich eröffnete in Essen der Impact Hub Ruhr.

Nur ein paar Schritte vom Hauptbahnhof Essen entfernt, sitzen wir im „Haus der Technik“. Hier befindet sich der Ort an dem sich eine Community aus Gründern, Kreativen, Studierenden, Intrapreneuren, Unternehmen und Machern trifft. Gemeinsam möchten wir das Ruhrgebiet zu einer Region machen, die für nachhaltiges Unternehmertum steht und neue Wege einschlägt. (Homepage des Impact Hub Ruhr)

Und auch sonst gibt es tief im Westen eine aufkeimende Gründerszene – wer hier immer auf dem Laufenden sein möchte, bekommt einen guten Eindruck über Ruhrgruender.de.

In Köln oder Aachen bekommen davon allerdings nur die wenigsten mit, eine wirklich ausgeprägte Vernetzung sucht man bisher vergebens.

Investoren in Rhein-Ruhr

Was sagt der Blick auf den Fluss von Venture Capital in der Region?

Laut dem „Deutschen Start-up-Monitor“ des Bundesverbands Deutsche Start-ups hatten 2016 bereits 14,1 Prozent aller deutschen Jungunternehmen mit digitalem Geschäftsmodell ihren Hauptsitz in der Region Rhein-Ruhr. Damit liegt der Ballungsraum vor Hamburg oder München und nur leicht hinter Spitzenreiter Berlin. Gleichzeitig flossen aber nur 49 Millionen Euro Risikokapital nach NRW, mit dem Investoren Start-ups fördern. NRW liegt damit laut Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften hinter Berlin (412 Millionen Euro), Bayern (236 Millionen) und Hamburg (70,4 Millionen) auf Platz vier. (RP Online)

Was sagt das über die Außenwirkung der hiesigen Gründerszene? Sie ist vorhanden und umgeben von digitalisierungsdurstigem Mittelstand – hütet sein Potenzial bislang allerdings noch eher im stillen Kämmerlein, statt sich extrovertiert zu vernetzen, wie etwa Berlin.

Pinkwarts Pläne

„Pinkwart will daher mehr Fördergelder nach NRW holen. Auch Kooperationen zwischen Hochschulen und Privatwirtschaft sollen erleichtert werden. Das Silicon Valley in Kalifornien sei vor allem deshalb so erfolgreich, weil die Gründer, Forscher und Investoren sich eng austauschen könnten. „Warum soll ein Rheinland Valley nicht möglich sein?“, fragte Pinkwart. Die Landesregierung werde daher eine Exzellenzinitiative starten, um die Start-up-Szene zu einer einzigen Gründerregion zu verdichten.“ heißt es weiter bei der RP Online.

In den Sozialen Netzwerken wird diese These innerhalb der Startupszene bereits heiß diskutiert. Ist es wirklich so einfach? Ein bisschen Austausch und schon haben wir ein zweites Silicon Valley im Rheinland? Wohl kaum, zumal es durchaus Menschen und Initiativen gibt, die daran bereits aktiv und geduldig arbeiten.

Es sei schon mehr – eine Frage der Kultur – heißt es in Diskussionen vermehrt. Zu Beginn: Wie früh wird man, etwa bereits in der Schule oder an den Universitäten, zum Gründen und Ausprobieren motiviert? Wie schwer oder leicht wird es Gründern gemacht, zu starten? Wo hoch sind die Hürden der nordrhein-westfälsichen Bürokratie?

Allein an diesen Stellen unterscheiden sich die Städte und Regionen innerhalb NRWs bereits. Ein Zusammenwachsen der Region muss früher beginnen, als mit „fertigen“ Startups, die in unterschiedlichen Städten ansässig sind.

Potenziale bündeln

Klemens Skibicki hält den Plan, dass die Landesregierung NRW sich den Hut aufsetzt, das bereits vorhandene Ökosystem zu bündeln, für sinnvoll. So heißt es in RP Online:

„Es spricht viel dafür, die Rhein-Städte enger zusammenzubringen“, sagte der Wirtschaftsprofessor der Cologne Business School. Aachen habe die Technik, Bonn die alten Staatskonzerne, Köln die Strahlkraft für junge Unternehmen und Düsseldorf viele Großunternehmen. „Kapital, Wirtschaft, Bildung – es ist alles da“, sagte Skibicki: „Es fehlt nur jemand, der alle Fäden mit innovativem Geist zusammenführt. Das könnte natürlich eine Landesregierung sein.“

Klingt einfach, in der Praxis ist die Gründerszene selbst allerdings ein wenig nüchterner und sieht bereits vor der eigenen Haustür, dass schon innerhalb von NRWs Städten oft viel passiert, aber wenig gemeinsam.

Blickt man auf den Standort Köln, so bleibt er bei der Attraktivität für junge Gründer nach Einschätzung von Experten hinter seinen Möglichkeiten zurück. Es hapert vor allem daran, dass es zwar zahlreiche Initiativen gibt, diese allerdings nicht an einem Strang zögen. IHK, Stadt Köln und zahlreiche private Initiativen sind nebeneinander aktiv. Die Idee eines Rheinland Valley sei zwar sehr gut, aber die Vernetzung über die Stadtgrenzen hinaus auch eine große Herausforderung, so Beobachter. (Kölner Stadtanzeiger)

Eine durchaus realistische Beobachtung, weshalb es abzuwarten bleibt, inwieweit die Ambitionen, NRWs Gründerhotspots engagiert und aktiv zu verknüpfen. Wir sind gespannt!

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