Noch immer ein Tabuthema? Burnout bei Gründern

Burnout in der Gründerszene

Wer viel in der Gründer- und Startup Szene unterwegs ist, kennt das allgegenwärtige Credo: „Work hard, play hard.“ Das kennen wir nicht nur vom Business Punk, sondern auch als Lebensmotto unter ambitionierten GründerInnen und Startup Mitarbeitern.

„Work hard, play hard“ ist quasi das „Carpe Diem“ der Gründerszene.

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Gespielt wird dem Klischee nach auch viel. Am Kicker, dem Gehaltsersatz der Startup Szene. Aber gleicht das die zum Teil immensen Arbeitszeiten und hohen Druck bei gleichzeitig häufig schlechter finanzieller Situation wirklich so easy aus?

Immer öfter nicht, lassen die steigenden Zahlen derjenigen GründerInnen, die mit der Diagnose Burnout beim Psychologen landen, vermuten.

Diese Diagnose ist in der Szene allerdings längst nicht so hip, wie von außen oft vermutet. Das Gegenteil ist der Fall, geredet wird über pathologische Erschöpfung nämlich in der Regel nicht. Erschöpft ist, wer nur nicht genug leisten kann oder will. Krankheit was für Weicheier. Erfolg eben nur was für solche, die 24/7 erreichbar sind dabei bitte keine Ermüdungserscheinungen zeigen.

Burn-out ist ein Tabuthema in der Gründerszene, deshalb spricht kaum jemand öffentlich darüber. (…) Dabei sind Gründer besonders gefährdet, einen chronischen Erschöpfungszustand zu erleiden. (süddeutsche.de)

Diesen Satz hört man dieser Tage immer wieder: Gerade Gründer seien besonders gefährdet. Warum ist das so?

Nun, dass der Druck für diejenigen, die nicht nur für das eigene, sondern auch das Gehalt und Wohlergehen anderer Mitarbeiter verantwortlich sind, ungleich höher ist, ist natürlich wenig verwunderlich. Besonders dann, wenn das eigene Business nicht unmittelbar Geld einbringt, sondern die finanzielle Sicherheit von externen Parteien, wie Investoren, Fördermitteln oder Banken abhängig ist.

„Es gibt zwei Aspekte, warum Gründer besonders gefährdet sind, ein Burn-out zu erleiden. Weil sie selbstbestimmt sind und weil sie für ihre Idee brennen.“ zitiert die Süddeutsche die Neurologin Miriam Goos, selbst Gründerin einer Firma, die sich auf Prävention von Burnout spezialisiert hat.

„Für sich genommen seien das zwei positive Aspekte, in Kombination aber gefährlich.“, heißt es dort weiter. Erste Anzeichen für chronische Erschöpfung werden meist ignoriert und akutem Stress zugeordnet: Schlafstörungen, Tinitus, Nervosität.

Gründer fallen viel tiefer als Angestellte“, sagt Goos, „für sie hängt alles von ihrem Unternehmen ab, sie sind fast eins mit ihm und so ist jeder Tiefschlag, jede Zurückweisung eine Zurückweisung an das eigene Selbst.“ (Süddeutsche)

Auch Sophie Chung, Gründerin des Medizintourismus-Startups Junomedical, spricht von einem „Founder-Burnout“. Auf die Frage nach den Ursachen erzählt sie der Gründerszene:

Das grundsätzliche Problem bei Startups in der Anfangsphase ist: Es gibt immer eine Ressourcen-Knappheit, weil es immer mehr zu tun gibt als Leute, die diese Arbeit übernehmen können. Hinzu kommt, dass der Gründer immer die letzte Person ist, die weiterkämpft und das Scheitern verhindern muss, wenn nichts mehr klappt. Diese zwei Faktoren sind meiner Meinung nach starke Treiber für dauerhafte Erschöpfung, die zu einem Burnout führen kann.

Es ist allerdings nicht nur die Anfangsphase mit wenigen Mitarbeitern, die für GründerInnen problematisch werden kann. Gerade auch die Wachstumsphase ist herausfordernd, wenn die ersten Investoren mit im Bott sind und Resultate für ihr Geld sehen wollen, wenn die fehlenden Mitarbeiter plötzlich vorhanden sind und neben dem Tagesgeschäft auch noch Mitarbeiterführung hinzukommt, die die wenigsten gelernt haben. Wenn durch mehr Erfolg auch mehr Verantwortung und eine tiefere Fallhöhe entstehen.

Das kennt auch Mike Lanner, Mit-Gründer der Gebrüder Stitch, einem Öko-Jeans Label aus Österreich.

Denn irgendwann konnte auch der Supermanager nicht ausgleichen, dass die Firma nach der langen Investorensuche im operativen Bereich in eine Schieflage geschlittert war. Lanner reagiert, wie er gelernt hat, zu reagieren. Allein. Anstatt die Arbeit abzugeben, reißt er alles an sich. Er will die ohnehin schon kleine Firma neu strukturieren, zeichnet Organigramme, macht stundenlange Meetings. Und erzeugt dadurch noch mehr Probleme. Die Mitarbeiter sind irritiert. Fragen sich, warum der Chef ihnen noch mehr Arbeit aufhalse, wo doch schon jeder am Anschlag stehe. (Die Presse AT)

Gut, wenn man dann nicht allein ist. Der Rat von Sophie Chung an dieser Stelle?

Überlege dir, ob du das wirklich alleine schaffen willst. Es gibt immer Wege, wie man aus einer Situation herauskommt. Beispielsweise, indem man für Anteile einen zweiten oder weiteren Gründer an Bord holt. Viele Gründer vergessen auch, rechtzeitig eine gute zweite Führungsebene aufzubauen. Außerdem braucht es Leute im engen Umfeld, mit dem man seine Ängste und Zweifel besprechen kann. (Gründerszene)

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