Startup Grind Düsseldorf #1 mit Rolf Schrömgens von trivago

 Auftakt des Startup Grind Düsseldorf mit Rolf Schrömgens von trivago

Am Dienstag Abend gab es ein Debut in Düsseldorf, der erste Startup Grind auf der anderen Seite des Rheins. Und das Interesse war groß, denn geladen wurde in die heiligen Hallen von trivago.

trivago ist ein kleines Phänomen. Eigentlich eine schlichte Hotelsuchmaschine, simple Website, wenig Schnickschnack, ein Produkt. Hotels sind allerdings häufig nicht die erste Assoziation mit dem Namen trivago, besonders in der Gründerszene. Denkt man an trivago, denkt man an gelebte Startup Mentalität ohne Hierarchien, glückliche Mitarbeiter ohne festgelegte Jobtitel, Arbeitszeiten und Urlaubstage,  an Team Partys und irgendwie positiven Spirit.

Soweit das Klischee. Interessant ist das vor allem deshalb, weil man bis vor gar nicht all zu langer Zeit kaum etwas von der Geschäftsführung oder durch die Gründer erfahren hat und dieses bunte Bild tatsächlich allein durch die Mitarbeiter transportiert wurde.

Wie man das als Unternehmen hinbekommt, wie die Realität aussieht und wohin die Reise für trivago hingehen soll, hat Rolf Schrömgens im Interview erzählt. Gegründet hat Rolf bereits früh. Direkt nach dem Studium, während dessen er auch seine Mitgründer traf, ging es los und wäre alles von Anfang an nur glatt gelaufen, wäre die Story ja langweilig. So wurde bei der ersten Gründung  erstmal einiges an Erfahrung gesammelt, was man nicht will. Wie es dann weiter ging?

Ich habe dann erst versucht wieder zu gründen, aber hat nicht funktioniert. Dann habe ich versucht, eine Promotion zu machen, hat nicht funktioniert. Dann bin ich bei meinen Eltern in´s Business eingestiegen, hat nicht funktioniert. Und dann hab ich mehr oder weniger auf der Straße gestanden, hatte nicht mehr so wahnsinnig viel Geld und der Situation ist uns die Idee für trivago gekommen.

Natürlich hat sich viel getan in der Zwischenzeit. Das Unternehmen wuchs schnell und mit ihm zunächst auch die Weiterentwicklung des Produktes. Von Anfang an war aber für alle klar, wie die Gründung laufen soll:

Uns war relativ klar, wie wir trivago gründen wollten und das hat glaube ich auch viel Einfluss darauf, was aus trivago geworden ist. Es war klar, dass wir möglichst lange die Kontrolle behalten wollen, dass wir nicht viele Anteile abgeben wollen. Es war klar, dass wir den Fokus nicht nur auf Wachstum legen wollen. Die Motivation war am Anfang nicht, die nächste Mega Company aufzubauen, sondern möglichst gut unsere Miete bezahlen zu können.

Man kann wohl sagen, das hat ganz gut funktioniert. Investoren wurden anfangs auch gar nicht ins Unternehmen gelassen, statt einzukaufen wurde vieles selbst gemacht, angefangen beim programmieren durch eigentliche BWLer. Diese Agilität ist es vielleicht auch, was trivago heute zu einem sehr speziellen Arbeitgeber macht. Denn was ist es denn nun, was man selbst mitbringen muss, um Teil dieses Teams zu werden? Reine Expertise definitiv nicht.

Wir versuchen immer mehr, nicht nach Expertise einzustellen. Wir sagen 60% Motivation, 30% Fähigkeiten, 10% Fachwissen. Wir versuchen herauszubekommen, wie lernfähig Menschen sind und wie bereit sind sie, für Lernen und Erfahrung auch Risiken einzugehen und auch mal zu scheitern.

Interessant ist trivago als Arbeitgeber übrigens auch für all diejenigen, die schon viel ausprobiert haben und nicht immer den straighten Weg gegangen sind:

Wir suchen nicht nach diesen sehr stringenten Lebensläufen. Wir haben nicht diese Armada von ehemaligen McKinsey Leuten, sondern wir versuchen sehr darauf zu achten, wie oft sich jemand umentschieden hat, neues ausprobiert und aus der Vergangenheit gelernt hat.

Man kann sich unschwer vorstellen, dass bei diesem Recruitment dynamische Teams entstehen. Auch der Arbeitsalltag im Unternehmen ist dynamisch, nicht an Kernarbeitszeiten oder feste Urlaubstage gekoppelt. Klingt flexibel und gut, ist für viele- auch im Publikum- aber neu.

Wir möchten die Freiheit geben, entscheiden zu können wann man produktiv ist und wann nicht. Wir sehen es als unsere Aufgabe als Firma, ein Umfeld und Verhältnisse zu schaffen, so dass die Leute gerne kommen. Was sie Arbeitszeit angeht – es geht ja darum, wieviel jemand leistet und nicht darum, wieviel Zeit er irgendwo verbringt. Diese reine Präsenzzeit ist ein unglaublich schlechter Indikator für Produktivität. Das ist meiner Meinung nach unglaublich altes Denken und stammt aus einer Zeit komplett anderen Arbeitens.

Welchen Satz von Rolf wir am Schluss mit auf den Weg geben wollen?

Danke an den Startup Grind Düsseldorf, es wurde viel interessantes gesagt, wir haben tatsächlich viel inhaltliches zu  hören bekommen an diesem Abend, aber dieser Satz soll dann doch unser Schlusssatz sein:

Es ist meistens die Unternehmenskultur, die ein Unternehmen langfristig erfolgreich macht.

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