BÄM! Der dritte BÄM! Talk im Solution Space mit Ulrike Rosenbach

BÄM! Beim dritten BÄM! Talk im Solution Space luden And She Was Like BÄM! zum Gespräch mit Ulrike Rosenbach

And She Was Like BÄM! lädt regelmäßig spannende Gäste zum Talk in den Space. Die Initiative junger Frauen aus Kunst und Design hatte auch zum dritten Abend wieder einen hochkarätigen Gast auf dem Sofa: Ulrike Rosenbach – Ein Gespräch über das Künstlerin-Sein

Warum sind Künstlerinnen immer noch weniger sichtbar als ihre männlichen Kollegen? Ist gerade die zeitgenössische Kunst, die ständig aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen thematisiert, rückständiger als andere Branchen, was das Frauenbild und patriarchale Systeme betrifft? Wie setzt man sich als Künstlerin durch?

Diese Fragen hat Leonie Pfennig mit Ulrike Rosenbach besprochen. Rosenbach hat dazu auch eine Menge zu sagen. Sie ist Künstlerin, Professorin und Präsidentin der GEDOK, dem Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer in Deutschland.

In den 1960er Jahren war die Meisterschülerin von Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf „und gehörte zusammen mit Katharina Sieverding, Klaus vom Bruch und Marcel Odenbach zu den ersten Künstlern und Künstlerinnen in Deutschland, die Video als künstlerisches Medium nutzten.“

In den 1970er Jahren verschlug es sie dann in die USA, 1975 war sie dort Dozentin für feministische Kunst am California Institute of the Arts.

Nun ging es beim dritten BÄM! Talk um die Frage nach dem Künstlerin-Sein und um Frauen in der Kunst(szene). Eine Frage zu Beginn des Abends ist, ob Rosenbach die Video- oder Medienkunst als gender-neutraler einschätzen würde, als etwa die Malerei (die ja nicht nur in Ausstellungen, sondern auch durch die „Malerfürsten“ an Akademien stark männlich geprägt ist).

Also heutzutage ist das total gender-neutral. Die ersten Schritte waren sicherlich zu Teil so, dass man erstaunt darüber war, wieviele Frauen dabei waren.

Rosenbach beschäftigte sich in den 1970er Jahren neben der Kunst auch intensiv mit dem Feminismus. Sie war in dieser Zeit Mitbegründerin einer Künstlerinnen-Gruppe und Teil wichtiger Ausstellungen feministischer Kunst. Sie arbeitete damals unter anderem für Judy Chicago an der CalArts, einer feministischen Künstlerin, die dort 1971 auch das CalArts Feminist Art Program ins Leben rief.

Waren diese Begegnungen und Kontakte für Rosenbach eine Initialzündung für ihr Engagement für den Feminismus?

Also im Prinzip ging das alles ja aus der Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre hervor. Auch die Künstlerinnen-Gruppen und -initiativen liefen da natürlich parallel im Zug der Zeit. Die Bewegung entwickelte sich ja in Deutschland und Amerika etwa zeitgleich, weswegen es da relativ einfach war, den Zugang zueinander zu bekommen.

Durch die politische Frauenbewegung in Deutschland bin ich erst auf die Idee gekommen, das Bild der Frau in der Kunst überhaupt zu thematisieren.

An der CalArts bekam sie in dieser Zeit auch den Lehrauftrag für feministische Kunst und Medienkunst, worin die Hochschulen und Akademien in den USA den deutschen bereits weit voraus waren. Zurück in Deutschland hat sie 1976 die Schule für kreativen Feminismus gegründet. War das eine direkt Reaktion darauf?

Ja, das war auf jeden Fall eine total direkte Reaktion auf das, was da in CalArts gemacht wurde und auf das, was in L.A. das Konzept den Women´s Buildings war. Da wurden eben die Strukturen geschaffen, wie „Was heißt es eigentlich, Künstlerin mit Frauenthemen zu sein? Woher rekrutiere ich die?“. Durch unsere Erfahrungen in der politischen Frauenbewegung bauten wir zum einen die Säule des Consciousness Raising auf, die andere Säule war die Kunstgeschichte mit weiblichen Aspekten neu zu erobern. Auch dazu gab es an der amerikanischen Westküste ziemlich gute Vorlagen.

Wir haben uns dann mit dieser Gruppe (Schule für kreativen Feminismus) einmal in der Woche getroffen und eine der drei Säulen bearbeitet: Self-consciousness Raising, Kunstgeschichte und Machen. Und das, solange man wollte, die Gruppe gab es bis 1982.

Es sollte aber natürlich auch um die allgemeine Frage nach der Sichtbarkeit von Frauen in der Kunst gehen. Sieht Rosenbach das als problematisch an und was muss sich am Bild der Künstlerin noch tun?

Naja, es ist schon schwierig, weil der Widerstand schon groß ist. Wir haben in den 70er Jahren schon ziemlich gekämpft, hatten viele Initiativen und auch Zeitungen –  die Frauen waren in der Zeit sehr fleißig, mit ihrer eigenen Kraft rauszugehen und sich sichtbar zu machen. Aber das hat sehr viele Frauen sehr viel Kraft gekostet und es wurde nicht subventioniert. Es war eine große allgemeine Frauenbewegung und die künstlerische Bewegung und die Künstlerinnen haben sich da rein begeben, wenn sie wollten, aber im Grunde genommen wollte die Kunstszene das auf gar keinen Fall. Also eine politisch motivierte Künstlerin war immer diejenige, die aussortiert wurde.

Was die Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Künstlerinnen im Kunstbetrieb angeht, gibt es auch heute noch eine interessante Diskrepanz. Leonie Pfennig merkt an, dass es zwar an den Kunstakademien mehr Frauen als Männer gibt, die dort studieren und ihren Abschluss machen, das Verhältnis in Ausstellungen, Sammlungen und Galerien jedoch alles andere als ausgeglichen sei.

Gerade an großen Institutionen, wie etwa dem K20 oder auch Museum Ludwig, liegt das Verhältnis bei nur etwa 30% Ausstellungen von Künstlerinnen im Vergleich zu Künstlern. Auch der Anteil der vertretenen Künstlerinnen auf der Art Cologne 2014 lag nur bei besagten 30%.

Über die Frage, ob explizite „Frauen-Ausstellungen“ das Mittel sind, um diese Lage zu verändern, wird heiß diskutiert. Einig ist man sich jedoch, dass es eine Menge Power braucht, um sich als Künstlerin durchzusetzen und die bei ca. 50% mehr als bei einem Künstler liegen sollte, um wirklich gesehen zu werden.

Inwieweit Netzwerke da hilfreich sein können, war ja bereits Thema des zweiten BÄM! Talks.

Wir hatten wieder einmal einen großartigen und sehr spannenden Abend, freuen uns mit And She Was Like BÄM! über den großartigen Anklang der Talks und hoffen sehr darauf, dass die Talks in eine nächste Runde gehen können!

 

 

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