Die Software Engineers von morgen – Das Code + Design Camp 2016

Was machen 135 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren von morgens 9 bis abends um 22 Uhr in den Herbstferien? Sie sitzen konzentriert im Kölner DOCK.ONE Harbour Club und arbeiten beim ersten Code + Design Camp an Projekten.

Wie man das schafft? Das haben wir Jonathan Ruth gefragt. Jonathan ist gemeinsam mit Thomas Bachem und Manuel Dolderer Gründer der CODE University of Applied Sciences, die sich noch in Gründung befindet. Teilnehmerin Finja, 15, hat uns auch kurz von ihrem Projekt erzählt.

Interview/ Text: Lara Jacobs  Bilder: Manuel Dolderer

Solution Space: Hallo Jonathan. Wir befinden uns gerade auf dem Code +Design Camp 2016, das dieses Jahr erstmals stattfindet. Fangen wir doch erstmal damit an, wer ihr seid und wer diese Veranstaltung initiiert hat.

Jonathan: Initiiert haben das Tom Bachem, Manuel Dolderer und ich, also das Gründungsteam der Code University of Applied Sciences i.G., einer Fachhochschule für Software Entwickler. Wir haben in der Ausarbeitung der Curricula, der Programme und unserer Alleinstellungsmerkmale festgestellt, dass wir gerade im Bereich Didaktik und Außendarstellung ziemlich viel anders machen wollen (Anm.d.Red.: als in bisherigen verwandten Studiengängen).

Wir glauben, dass es häufig eine etwas unglückliche Verwechslung von Informatik und Software Engineering gibt. Beide Disziplinen spielen eine unfassbar wichtige Rolle in der Digitalisierung und dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel, der durch sie hervorgerufen wird. Vermischt oder verwechselt man aber Software Engineering und Informatik sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Informatik orientiert sich stark an mathematischen Problemen und Herangehensweisen, während Software Engineering stärker auf Teamwork, Kommunikation und kreative Problemlösung setzt.  Wo aus unserer Sicht die Trennlinie verläuft und warum es in Deutschland mehr kreative Problemlöser in IT-Berufen braucht, haben wir auch in einem Blogartikel ausführlich dargelegt.

Wir wollten ein Camp bauen, das mehrere Ziele verfolgt: zum Einen wollten wir diesen Spirit zeigen, beim Software Engineering mit coolen Leuten spannende Dinge umzusetzen. Wir wollten aber auch schauen, ob wir unsere Idee der sehr projektorientierten Didaktik so auch umsetzen können, was die Fallstricke sind und natürlich auch, wie unsere Zielgruppe eigentlich tickt. Wieviel Vorerfahrung haben Jugendliche heutzutage, wie sprechen wir sie am besten an, haben die überhaupt Bock auf unser Konzept? Das ist für uns alles natürlich interessant.

Solution Space: Und wie ist die bisherige Erfahrung? Was ist Deine Einschätzung nach den ersten 2 Tagen – hat Euer Konzept funktioniert, sind die Jugendlichen interessiert?

Jonathan: Auf jeden Fall! Wir fangen morgens um 9 Uhr an und hören abends um 22 Uhr auf – die Teilnehmer sind da, sie sind konzentriert und die Motivation ist sehr sehr hoch. Eine Handvoll haben auch nach dem ersten Tag gesagt „Das ist nichts für mich“, das ist für uns vollkommen okay. Wir mußten noch ein paar Angebote für absolute Einsteiger entwickeln, aber insgesamt klappt das sehr gut.

Solution Space: Wieviele Teilnehmer und Coaches sind jetzt hier?

Jonathan: Wir sind 135 Teilnehmer, also ein ordentlicher erster Auftakt, und rund 40 Coaches. Nicht alle Coaches sind 4 Tage da, aber die bleiben über Slack, Skype oder Telefon mit ihren Teams in Verbindung. Zusätzlich haben wir ein paar Experten für Fachthemen oder Workshops für Grundlagen.

Solution Space: Und wie sehen so Projekte aus, an denen die Teilnehmer arbeiten können?

Jonathan: Wir haben denen vollkommen freie Hand gelassen. Sie konnten bei der Anmeldung schon Projektideen skizzieren, wir haben dann im Vorfeld ein internes Forum gebaut, in das sie ihren Projektideen einstellen und darüber diskutieren konnten. Den ersten Tag haben wir dann auch auf Kennenlernen und Projektfindung verwendet, auf Konkretisierung und das Matching mit den Coaches. Am Mittwoch ging es dann konkret in die Projekte.

Solution Space: Hast Du ein oder zwei Beispiele für Projekte?

Jonathan: Ein Projekt beschäftigt sich z.B. mit der Kombination aus Hardware und Coden – da geht es darum, über eine App einen 3D gedruckten Roboterarm zu steuern. Da haben die Teilnehmer wirklich alles komplett selbst gebaut und programmiert, von der ersten Zeile Code bis zum Roboterarm. Das ist schon ein ziemlich beeindruckendes Projekt. Einige Projekte beschäftigen sich mit dem Bereich Schule, also Hausaufgaben Management, oder Lehrer-Schüler Kommunikation. Eine Teilnehmerin baut an einer Sportapp im Bereich Turnsport.

Was eines unserer Ziele war, ist dass die Teilnehmer Probleme oder Fragestellungen aus ihrem täglichen Leben genommen haben und die jetzt konkret umsetzen. Uns war wichtig, dass die Projektideen alle von den Teilnehmern selbst kommen.

Solution Space: Und es soll auch ein Code + Design Magazin geben! Was hat es damit auf sich und wann wird das erscheinen?

Jonathan: Das Code + Design Magazin verfolgt im Prinzip eine ähnliche Idee, also den Leuten bewußt zu machen, was es im Bereich Software Engineering alles gibt, also an Jobs, Perspektiven, Karrieremöglichkeiten in dem Bereich. So ein Studium ist natürlich nicht was für jeden, aber wir möchten die verschiedenen Möglichkeiten und Perspektiven aufzeigen.

Wir machen das Magazin zusammen mit The Hundert und Berlin Valley, die das für uns schreiben. Distribuiert wird das ganze über Klett MINT mit einer Auflage von knapp 120.000 Exemplaren, die direkt an die (MINT) Lehrer und somit die Schüler des kommenden Abiturjahrgangs gehen.

Wir wollen mit dem Code + Design Magazin Schülern bei der Berufsorientierung aufzeigen, was es alles für coole Möglichkeiten und Jobperspektiven in dem Bereich gibt, und es nicht immer nur das Informatikstudium sein muss. Wir möchten unterschiedliche Bildungswege und Role Models darstellen, um gerade auch jungen Mädchen eine interessante Branche mit vielen Perspektiven vorzustellen.

Anzeigenschluss ist nächste Woche, wer sich also noch als attraktiver Arbeitgeber im Code + Design Magazin präsentieren möchte, hat noch wenige Tage die Gelegenheit!

Vielen Dank für das Gespräch, Jonathan!

Jonathan hat es bereits erwähnt, auf dem Code + Design Camp waren auch Mädchen vertreten, etwa 13% der teilnehmenden Jugendlichen. Eine der jungen Programmiererinnen hat sich uns kurz vorgestellt.

Solution Space: Hallo, Finja! Du bist eines von wenigen Mädchen hier auf dem Code + Design Camp, deshalb möchten wir Dich gerne fragen, wie Du hierher gekommen bist und an was Du gerade arbeitest?

Finja: Also ich programmiere schon ziemlich lange unterschiedliche Sachen und hab schon ziemlich viel ausprobiert. Meine Mutter hat mich hier angemeldet.

Meine Idee ist so entstanden, dass ich turne und bei Wettkämpfen alle Punkte erstmal aufgeschrieben und am Ende des Wettkampfes in den Computer eingegeben werden. Das dauert total lange, deshalb versuchen wir jetzt, eine Webseite zu bauen, bei der man die Punkte direkt eintragen kann und die sofort zusammengetragen und ausgedruckt werden.

Solution Space: Und wie gefällt es Dir hier bisher insgesamt?

Finja: Es macht super viel Spaß, weil es hier wirklich viele Codes (Workshops) und Projekte gibt, bei denen man super viel lernen kann.

Solution Space: Schön! Also ist es nicht schlimm, in den Ferien 4 Tage lang von morgens bis abends hier zu sein?

Finja: (lacht) Nein, ich finde das gar nicht schlimm!

Wir bedanken uns bei Jonathan und Finja für das Interview und wünschen dem Team der CODE University viel Erfolg bei der Gründung. Das Code + Design Camp soll auch zukünftig wiederholt werden, das nächste Mal vermutlich in Berlin. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten!

 

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